Arnold Reisemobile

Arnoldtreffen 2010 vom 13. - 16.05. in NL-Veendam

Das erste Mal...

Schon im Februar hatten wir uns die Einladung zum Treffen der Arnoldfreunde an Himmelfahrt 2010 ausgedruckt  – wunderbar, wenn Interessenten schon so lange vorher Infos bekommen können! „Veendam, Niederlande“ ins Navi eingegeben, Liste gemacht, wie wir unseren Arnold äußerlich vielleicht noch ein bisschen schnuckliger machen können, als er ohnehin schon ist, das meiste auch umgesetzt.

Ja, wir lieben unseren Arnold – auch wenn er uns erst seit einem Dreivierteljahr gehört. Er ist ein RM40, mit einem recht jungen Diesel-Austauschmotor – das hat ein schlauer Vorbesitzer erledigt. Innen haben wir ein paar Kleinigkeiten verbessert, beide Türhälften von innen stabilisiert, können jetzt bei schlechtem Wetter im Bett frühstücken, haben eine größere Arbeitsfläche in der Küche.... Kleinigkeiten, wie gesagt.

Mit den größeren Dingen wollten wir noch warten, bis nach Himmelfahrt – eben bis zum Treffen der Arnoldfreunde in Veendam. Auch da haben wir Listen: Was wollten wir immer schon fragen? Notizbuch eingesteckt, alles dabei, auch den Ausdruck mit der Einladung? Super, dann kanns ja losgehen. Erst nach 100 gefahrenen Kilometern, irgendwo im Ruhrpott, wirft die Beifahrerin noch mal einen Blick auf die Einladung – „Fahrräder nicht vergessen“, steht da. Schiet!!! Wir waren im Winter ein paar Mal unterwegs – wer denkt da schon an Fahrräder?! Kurz: Wir fahren ins Land der weltschönsten fietsenrouten. Ohne Fahrräder.

An einer deutschen Tankstelle, kurz vor der niederländischen Grenze, sehen wir IHN!: Den ersten Arnold, der nicht unserer ist. Wir freuen uns wie Kinder, wedeln mit den Händen, rufen, winken, hupen. Auf der anderen Seite: maßvolles Kopfnicken. Ja, er hat uns auch gesehen. Für ihn ist das aber offensichtlich nicht so aufregend wie für uns, einen anderen Arnold zu sehen....Wahrscheinlich nicht sein erstes Treffen bei und mit den Arnoldfreunden – die treffen sich ja 2010 bereits zum neunten Mal.

Für uns aber ist es das erste Mal. Das erste Mal, dass wir an einem schönen, kleinen See in einer landschaftlichen Idylle ankommen.... und das ganze Seeufer steht – schon von weitem zu erkennen – voller Arnolds, alle mit je zwei orangefarbenen Luftballons geschmückt. Wie schön! So viele Arnolds! Wir staunen noch, da steht schon Bert vor uns: „Braucht ihr Strom?“ Ja, dann haben wir dahinten noch ein Plätzken. Mit freundlicher Geduld, „weiter vor, noch mal zurück“, weist er uns milimeterpassgenau auf den Stellplatz ein, rechts und links noch genügend Platz zu den Nachbarn. Schon bei der Ankunft erzählt er uns, was geplant ist: Radtour, Käsebauernhof, „alles kann, nichts muss“. Das wird er die nächsten Tage noch mehrmals sagen: „Alles kann, nichts muss“. Und das Schöne ist: Er hat absolut Recht!

Ja, wir würden– trotz vergessener Fahrräder – gern mitfahren! Können wir das? Ja, einmal „Präsi“ Ingo gefragt – und schon  können wir: Ingo und Berts Frau, Anneke leihen uns je ihr Rad, grandios! Was für eine Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit, überall! Staunend stolpern wir in all die wunderbaren, liebevoll, intelligent ausgebauten Arnolds: das 8-Meter-Schiff mit der allerneusten Technik innen und auaußen. Backofen oder Sitzbadewanne? Kein Problem für einen Arnold-Besitzer! Womos, die mal völlige Schrotteile waren, gar mit fehlendem Heck, Unfallschäden, vermüllt und ungepflegt, seit Jahren Wind und Wetter ausgesetzt.... alle strahlen wieder wie neu, zum Teil wahrscheinlich schöner als vorher. Da wurde geschraubt und geschweisst, geflext und gehämmert, gebohrt und poliert, verkabelt und montiert... „400 Arbeitsstunden“, schätzt einer. Sicher keine Seltenheit.

Kinder und Hunde, ein Ehepaar von 81 und 82 Jahren („Wenn sie losfahren möchte, gibt es kein Halten mehr“, sagt er. Mittags trinken wir mit den beiden eine Flasche Sekt – „das ist bei uns ab 11 Uhr so üblich“, versichert sie), der lange Frühstückstisch, der bis zum Mittag steht, Fotos vergangener Treffen oder aus Urlauben, niemand hat es eilig. Alle haben füreinander Zeit, man kann jeden fragen – und bekommt kompetente Auskunft. Über Farben und Lacke, Spachtel und Dichtmassen, Stromkreisläufe oder Ladegeräte, Motoren und H-Kennzeichen, Reifen und Dachaufbauten, Rückfahrkameras und Fahrradträger und, und, und.....Unterlagen und Arbeitsgerät werden verliehen und getauscht, Fotos gezeigt, Arnold-Anekdoten erzählt. Ein langjähriger Arnold-Besitzer kennt jede Schraube an seinem Auto, manche Arnoldfreunde kennen so gut wie jeden Arnold, der noch auf den Straßen unterwegs ist. Und zwar nicht nur auf deutschen Straßen. Nein, zum jährlichen Treffen der Arnoldfreunde werden Anfahrten von mehr als 1000 Kilometern in Kauf genommen: Aus Norwegen, aus Österreich, kürzer hatten es dieses Mal natürlich Niederländer und manche Deutsche.

Als wir wieder zu Hause waren, fragte eine Nachbarin: „WAS?! Das ganze lange Wochenende über wart ihr nur dort?!“ Sie stellte sich das wohl ziemlich langweilig vor. Das Gegenteil ist wahr: Für uns jedenfalls wurde es nie langweilig, es gab so viel zu gucken und zu erzählen, zu erfahren und zu staunen. Für manche Teilnehmer sind die Treffen einfach eine Gelegenheit, alte Freunde wieder zu sehen oder wenigstens Grüße zu überbringen – und wenn einer verstorben ist, gedenken die anderen seiner mit einer stillen Minute. Für andere – und sicher vor allem für „Neulinge“ wie uns – sind die Treffen eine wunderbare Info-Börse. Man hat auch immer Zeit für sich selbst, zum Relaxen, Lesen, im Mittagsschläfchen wegzunicken – und dann stört natürlich auch keiner .... „alles kann, nichts muss“.

Und wir waren schließlich nicht die ganze Zeit im „Camp“: die Umgebung erkunden, Wasserski fahren, ins tropische Bad gehen... es gab durchaus andere Möglichkeiten, als „Stubenhocker“ zu spielen – nicht nur für Familien mit Kindern. Und dann war da ja auch noch der angekündigte Besuch in der Käserei .... vom Viagrakäse will ich hier gar nicht reden.... oder von den Holzschuhen in verschiedenen Farben - und was die jeweils bedeuten – könnte ganz nützlich sein, das mal zu wissen (wenn’s denn stimmt – oder war das auch nur ein Scherz?, fragten sich manche hinterher). Dagegen: Dass ein Fabrikkäse ein rundes Etikett bekommt, ein Bauernkäse aber ein ovales, das ist eine Information, die auf jedem niederländischen Markt hilfreich ist. Ja. „holländischer“ ging’s wirklich nicht! Die Fahrt entlang der Grachten und Kanäle, über Land und unter Frühlingsblüten, auf einem der weltbesten Fahrrädern (danke, Anneke!) oder dem eigenen Drahtesel, zu Käse-Bauern und Holzschuh-Schnitzern.... all das scheint sich wirklich seit Jahrzehnten nicht verändert zu haben. Beweis: Der vorgeführte Film war älter als die meisten Arnolds. Ein wenig schade: Viele hatten statt einem Film „echte Kühe“ und echte Milch erwartet.... Aber lecker war der Käse doch, viele nahmen runde „Mitbringsel“ mit nach Hause.

Für uns ging’s am letzten Tag auch noch mal richtig rund: „Guck mal, den Arnold haben wir ja noch gar nicht gesehen – ist der schön!“ Oder: „Da sind noch total nette Leute, komm mit, mit denen musst du dich mal unterhalten“. So ging das bis Mittag. Die Sonne schien. Und wir hatten überhaupt keine Lust, abzureisen. Den privatesten Kontakt, den hatten wir wohl zu Gabi und Ulli: Über die öffentlich diskutierte Möglichkeit, das Logo der Arnoldfreunde auch auf BHs oder String-Tangas sticken zu lassen, den ersten Besuch in einem „fremden“ Arnold, die Geschichte aller Arnoldtreffen bis hin zum Abschied an der Entsorgungsstation.... Das Leben eines Arnoldfreunds hat wahrlich viele unterschiedlichen Aspekte!  Zum Beispiel auch die musikalische Überraschung am ersten Morgen: Eine riesige, holländische Leierkasten-Orgel mitten auf dem Platz! Wären wir nicht so verschlafen gewesen, wir hätten Walzer getanzt! So standen wir nur staunend, manche noch im Schlafshirt, mit Jacke drüber... Und unser erster Grillabend mit Klaus und Christa - das war der perfekte Einstieg in die Arnoldwelt.

Die Arnoldwelt!? Was bedeutet das denn nun wieder? An dem langen Frühstückstisch im Freien, da waren sich zum Beispiel eines Morgens alle plötzlich einig (die am Tisch saßen!): „Wir sind Kinder!“ Wahrscheinlich macht auch das – neben aller Arbeit - einen Arnoldfreund aus. Na, und dass wir unsere Autos lieben (und pflegen!), versteht sich ja wohl von selbst. Bin gespannt, wie viele Arnolds mit H-Kennzeichen es beim nächsten Treffen geben wird... und ob unserer mit dabei sein wird. Hoffentlich! Wäre doch zu schön, wenn wir dann damit in Arnolds „Geburtsstadt“, nach Wolfegg, fahren könnten. Auch so was: Die Idee, das 10. Treffen dort zu veranstalten ist so genial-einfach. Und absolut überzeugend! Vielleicht gehört ja auch das dazu: Ich glaube, ein Arnoldfreund mag keinen Schnickschnack. Sonst hätte er sich kaum ein so geradlinig designtes Auto ausgesucht.... Wir sind kein Club, wir sind Individualisten  – die wissen, dass manches gemeinsam einfach leichter geht und mehr Spaß macht. Nicht allzu angepasst, vielleicht ein bisschen kantig – wie unsere Autos. Manche sagen: „Der hat Charakter“. Oder eben auch – mit Bert - „Alles kann, nichts muss!“

Jedenfalls: Für dieses Jahr ein ganz herzliches Dankeschön an Annika und Bert, Ingo, Jürgen, Michael, Stefan, Peter, Inge – und wie ihr alle heißt....

Tot ziens, servus, adjö (soll norwegisch sein), auf Wiedersehen!

Ach ja, unsere Rückfahrt nach Pulheim (zwischen Köln und Düsseldorf), die war richtig traurig: Weit und breit kein Arnold mehr in Sicht!

Maria und Reinhold